Ideen für das Fach Kunsterziehung
in Anlehnung an den bayerischen Hauptschullehrplan

Kunst 9

Bildnerische Praxis
9.1 Neue Darstellungsformen erproben: Vom Abbild zur Abstraktion

Lernziele
Ausgehend von einer möglichst genauen Wiedergabe des Sichtbaren werden im Zeichnen und Malen nun Stufen des bildnerischen Abstrahierens erprobt. Übungen im zusammenfassenden Sehen und Darstellen führen die Schüler zu einer schrittweisen Reduzierung und Vereinfachung in Form und Farbe. In exemplarischen Werkbetrachtungen, welche die praktische Arbeit begleiten, sollen die Schüler entsprechende Stilmittel und Verfahrensweisen der modernen Kunst kennen lernen.

Lerninhalte
Gestalten:
Zeichnen / Malen von Pflanzen und Gegenständen
- Entwickeln einer Bildreihe in Schritten von der wirklichkeitsgetreuen Abbildung über zunehmend reduzierte Darstellungen zu abstrakten Zeichen (z. B. Bildsymbole, Piktogramme)
- freies Komponieren mit Farbklängen und abstrakten Formen, auch nach Anregungen durch die Werkbetrachtungen
Betrachten:
Grafik und Malerei der Moderne, z. B.
- Pflanzenornamente des Jugendstils
- Entwicklungsreihen (Mondrian: „Baumstudien“, „Ingwertopf“)
- Grafik des Expressionismus (Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff)
- kubistische Stillleben (Picasso, Gris, Braque)
- Kandinsky (Kompositionen, Improvisationen, Impressionen)
- Delaunay (Fensterbilder)

Praxisbeispiele




Bildnerische Praxis
9.2 Empfindungen anschaulich machen: Stimmungsbilder

Lernziele
Musik und Sprache, Geräusche und Tasterlebnisse, aber auch abstrakte Begriffe können Empfindungen und Vorstellungen wecken und zu bildnerischen Entsprechungen anregen. In eigenen Bildkompositionen sollen die Schüler versuchen, auf nicht-visuelle Reize einfühlend zu reagieren und ihre Stimmungen oder Träume sichtbar zu machen. Dazu werden die Ausdruckswerte der Gestaltungsmittel bedacht ’ 9.6 und auch Möglichkeiten symbolhafter Veranschaulichung erkundet. Die Arbeitsergebnisse und Kunstwerke regen zu Gesprächen an, in denen die Schüler ihre Empfindungen austauschen.

Lerninhalte
Gestalten:
Malen, Zeichnen
- freie Versuche, nicht-visuelle Reize in Formen, Farben und Bewegungsspuren umzusetzen
- Erfinden einer Bildkomposition zu „Stichworten“ wie Frühling, Schweben, Trauer, Aggression, Harmonie; bewusstes Verwenden von Farbe und Form als Stimmungsträger
Betrachten:
’ KR 9.2.1, EvR 9.2.1
Schülerergebnisse, Kunstwerke; Überprüfen der Wirkungen im Gespräch, z. B. nach
- dem Stimmungsgehalt
- den Ausdruckswerten von Farbe und Form
- ggf. der Bedeutung von Zeichen und Symbolen

Praxisbeispiele




Kunstbetrachtung
9.3 Künstler gehen neue Wege: Tendenzen der Gegenwart

Lernziele
Künstler haben nach dem 2. Weltkrieg eine Vielfalt neuer Ausdrucksformen entwickelt, mit denen sie die traditionellen Gattungsgrenzen der Malerei, Grafik und Plastik überschreiten. Auf neuen Wegen knüpfen sie Verbindungen zur darstellenden Kunst, zu Musik und Tanz, gestalten begehbare Räume mit farbigem Licht und Klängen, setzen sie Zeichen im öffentlichen Raum, verpacken Gebäude, zelebrieren sonderbare Rituale und inszenieren Ereignisse, mit denen sie die Zuschauer auf neue Weise ansprechen, sie provozieren, ihre Wahrnehmung erweitern, sie zur Stellungnahme auffordern oder als Mitwirkende einbeziehen wollen. In der Begegnung mit ungewohnten Ausdrucksformen zeitgenössischen Kunstschaffens (z. B. Pop Art, Happening, Performance, Concept Art, Land Art, Installation, Kinetik) gewinnen die Schüler Einblick in die Absichten der Künstler und die Wirkung ihrer Arbeiten und sollen die Bereitschaft entwickeln, sich interessiert und offen mit dem Ungewohnten auseinander zu setzen. ’ KR 9.2.1, EvR 9.2.1

Lerninhalte
Gestalten:
Möglichkeiten der praktischen Weiterführung und Vertiefung, z. B.:
- Collagen als Spiel mit Bedeutungen
- Mobiles (Calder) oder andere kinetische Objekte, z. B. mit Motorantrieb (Tinguely)
- Assemblage aus „Fundstücken“
Betrachten:
Zwei bis drei Werke der Gegenwartskunst,
z. B.: Christo (Running Fence, Berliner Reichstag); Hundertwasser (Architektur); Dan Flavin (Lichtobjekte); Heinz Mack (Sahara- Projekt, Antarktis-Projekt)

Praxisbeispiele




Gestaltete Umwelt
9.4 Ortsbild im Wandel: Unser Lebensraum gestern – heute – morgen

Lernziele
Im Vergleich alter Ortsansichten mit dem heutigen Erscheinungsbild wird die Lebensgeschichte eines Ortes deutlich, in dem jede Generation den eigenen Lebensraum nach ihren Bedürfnissen prägt und umgestaltet. Moderne bautechnische Möglichkeiten führen oft zu raschen Veränderungen, die langfristig nicht immer dem Zusammenleben dienlich sind und auch die Gestaltungsmöglichkeiten späterer Generationen einschränken können. Die Schüler sollen erkennen, dass die Wohnlichkeit eines Ortes von den Bauten, Straßen und Plätzen, ihrer Funktion und Gestalt und ihrer Einbettung in die Landschaft bestimmt wird. Sie sollen verstehen, dass Veränderungen der Ortsgestalt alle Bürger angehen und Entscheidungen sachkundig und verantwortungsvoll getroffen werden müssen. ’ Eth 9.3.1 In Entwürfen und kleinen Modellen setzen sich die Schüler mit einer Ortssituation praktisch auseinander und versuchen, zu wünschbaren Veränderungen eigene Vorstellungen zu entwickeln.

Lerninhalte
Gestalten:
Ausstellung: „Ortsbild – damals und heute“
- aussagekräftige Bilder auswählen
- erläuternde Kurztexte verfassen
- vergleichende Gegenüberstellungen auf Schautafeln, als Collagen, als Dia- oder Video- Dokumentation, als Bilschirmpräsentation (Computer)
- Hervorheben guter Beispiele für einen behutsamen Umgang mit Architektur und Natur Modellbau: (Gruppenprojekt) „Ein Platz für uns nach unserem Geschmack“ (z. B. Ortsplatz, Spielplatz, Jugendzentrum)
Betrachten:
Wandel eines Ortsbildes in der Geschichte
- Entdecken von Veränderungen, z. B. auf alten Stichen, Fotos, Gemälden
- das Spannungsverhältnis von Siedlungsraum und Naturraum
- Künstler, die auf Veränderung der Ortsbilder reagieren (z. B. Aktion von Josef Beuys:
„Stadtverwaldung“ – 7000 Eichen für Kassel)

Praxisbeispiele




Visuelle Medien
9.5 Bildinformationen verändern: Kann man Fotos trauen?

Lernziele
Die Verbreitung und der Austausch von Informationen wird heute ganz wesentlich durch die Bildmedien bestimmt, die unser Wahrnehmen und Denken stark beeinflussen. Die Schüler setzen sich mit dem Einfluss und der Bedeutung dieser Medien vorwiegend praktisch auseinander. Im Bearbeiten dokumentarischer Fotos wie elektronischer Lichtbilder gewinnen sie Einblick in aktuelle Techniken der Aufbereitung und Veränderung von Bildmaterial und können dabei eine kritische Haltung gegenüber der durch Medien vermittelten Wirklichkeit entwickeln. Da mittlerweile jede Art von Bildcharakteristik durch Computergrafik herstellbar ist und damit ihr materieller Hintergrund immer undurchsichtiger wird, sollen die Schüler erkennen, wie sehr die Grenzen zwischen Simulation und Wirklichkeit heute fließend geworden sind.

Lerninhalte
Arbeitsbereiche zur Wahl: Portrait, Personen, Landschaft, Architektur, Objekte. Bearbeitung von Privataufnahmen,
von Bildern aus der Nachrichtenpresse, Werbung, Mode usw. durch manuelle,
ggf. auch fotochemische oder elektronische Verfahren.
Gestalten:
Collage, Montage, Retusche; Bewusstes Verändern einer Bildsituation in Aussage und Wirkung ’ 9.1
Möglichkeiten der Manipulation, z. B.:
- Vertauschen, Entfernen, Hinzufügen, Vergrößern, Verkleinern von Bildteilen
- Ändern von Hintergrund, Umgebung, Zeit, Farbe, Beleuchtung
- Mimik, Kleidung, Frisur, Alter von Personen
- veredeln, schönen, hässlicher machen
Betrachten:
Bildbeispiele aus den Printmedien:
- Prospekt, Cover, Pressefoto
- Multimedia-Beispiele (Video und TV): Dokumentation, Reportage, Videoclip ’ Mu 9.3.2, Inf 9.2.3
Untersuchen eines Motivs, z. B. nach
- Kontext (z. B. wirtschaftlich, politisch, privat)
- Darstellungsform (spontan, inszeniert)
- Medienfaszination und Zeitgeschmack
- Versuch, Manipulationen zu erkennen

Praxisbeispiele




Darstellendes Spiel
9.6 Mit Bühneneffekten experimentieren: Hagelsturm und Alpenglühn

Lernziele
In kleinen Spielszenen sollen die Schüler Möglichkeiten erproben, die Handlung durch ergänzende optische und akustische Mittel bühnenwirksam zu unterstützen und zu verstärken, z. B. durch Kostüm, Maske und Requisit, Rauch und Nebel, Dämmerlicht und scharfen Scheinwerferstrahl, Bildprojektion, Blitz und Donner, Straßenlärm und musikalische Untermalung vom Tonband. Sie können die Stimmung der Szene betonen, den Ort charakterisieren und das Spielgeschehen dramatisch akzentuieren ’ 9.2. Für ihr Spielvorhaben sollen die Schüler einige dieser ergänzenden Mittel experimentell erproben und lernen, sie zur Steigerung ihrer Darstellung sinnvoll und wirksam einzusetzen. Die Zusammenarbeit mit den Fächern Deutsch, Musik und Sport wird empfohlen.

Lerninhalte
Gestalten:
Personales Spiel mit Unterstützung optischer und akustischer Mittel; Erproben bühnentechnischer Mittel und Wirkungen, z. B.
- Licht und Bildprojektion (z. B. Feuer, Wasser, Nebel, Gewitter)
- Bühnenraum und Bühnenbild
- akustische Mittel (Tontechnik, Geräusche, Musik)
- Ausdrucksstudien zu Kostüm, Maske und Beleuchtung
Entwickeln und Gestalten kleiner Szenen bei gezieltem Einsatz erprobter Mittel, z. B.
- derselbe Dialog in unterschiedlichen Stilebenen und Darstellungsformen: als Krimi, Lustspielszene, Tragödie, Musical, Kabarett
Betrachten:
- Bewerten von Aussage und Wirkung des Spiels und der eingesetzten Bühneneffekte
- einschlägige Berufe am Theater, z. B. Bühnentechniker, Beleuchter, Bühnen-, Kostüm-, Maskenbildner
- verschiedene Theaterformen: Schauspiel, Oper, Operette, Musical, Tanztheater; Kleinkunst (Kabarett)
ggf. Besichtigung eines Theaters und Besuch einer Aufführung

Praxisbeispiele






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