Ideen für das Fach Kunsterziehung
in Anlehnung an den bayerischen Hauptschullehrplan

Kunst 8

Bildnerische Praxis
8.1 Räumlichkeit entdecken und sichtbar machen: Perspektiven

Lernziele
Die Probleme der Raumdarstellung erfordern eine individuelle Anpassung der Aufgabenstellung an den jeweiligen Entwicklungsstand des einzelnen Schülers. An realen und dargestellen Raumsituationen werden Größenverhältnisse und Raumerstreckung beobachtet und Regeln für die zeichnerische Darstellung abgeleitet. Die Schüler sollen mit Hilfe einfacher Konstruktionen der Parallel- und Fluchtpunktperspektive die Illusion des Tiefenraums auf der Fläche erzeugen. An Werken der bildenden Kunst untersuchen sie die räumliche Wirkung von Farben. Optische „Verwirrspiele“ sollen sie zum phantasievollen und spielerischen Umgang mit perspektivischen Darstellungsregeln und Farbkombinationen anregen.

Lerninhalte
Gestalten:
grafisches und malerisches Darstellen von Landschaft, Bauwerk oder Innenraum, z. B. durch
- Schichtung, Überschneidung, Größenstaffelung
- Parallel- und Fluchtpunktperspektive ’ GtB 8.1
- Farbperspektiven (z. B. „Verblauung“)
Spiel mit Perspektiven und optischen Täuschungen:
Erfinden und Darstellen z. B. von Irrgärten und Labyrinthen
- Räumen mit unterschiedlichen Fluchtpunkten und „falschen“ Perspektiven
Betrachten:
Entdecken und Überprüfen:
Reale räumliche Situationen
- Peilen und Messen von Größen mit dem Daumen, Ermitteln von Fluchtpunkten, Vergleich der Ergebnisse, Ableiten von Darstellungsregeln
Räumliche Darstellungen
- eigene Bilder (z. B. Fotos, Zeichnungen, Malereien)
- ausgewählte Werke der Malerei und Grafik,
z. B. aus Renaissance, Manierismus, Surrealismus

Praxisbeispiele




Bildnerische Praxis
8.2 Abbilden und Variieren: Gegenstand – Mensch – Natur

Lernziele
Beim Abbilden einfacher Objekte lernen die Schüler, deren Erscheinungsmerkmale eingehend zu betrachten, sie in ihren Grundformen und Einzelheiten genau zu erfassen und zeichnerisch festzuhalten. Dazu werden Umrisse und Oberflächenstrukturen, Größenverhältnisse und volumenbildende Merkmale erkundet und wiedergegeben. Diese Grunderfahrungen werden im Stillleben, Portrait oder in der Naturstudie erweitert und vertieft. Die Schüler lernen, die Proportionen der Gegenstände und ihre räumlichen Beziehungen zu erkunden und bildnerisch umzusetzen, wobei zur Charakterisierung der Form auch die Farbe treten kann. Durch Variieren der Darstellungsmittel sollen sie deren spezifische Wirkung erkunden und in ihren gestalterischen Arbeiten überlegt einsetzen. Das Betrachten von Kunstwerken, an denen die Merkmale sachgetreuer Wiedergabe deutlich in Erscheinung treten, vertieft die eigenen Erfahrungen. ’ KR 8.5.1, EvR 8.1.1

Lerninhalte
Gestalten:
Wahrnehmen und wirklichkeitsnahes Darstellen des Sichtbaren
(z. B. Objekte im Raum, Köpfe und Gesichter, Pflanzen, Tiere, Steine)
- Anordnung, Lagebestimmung
- Größenstufungen, Proportionen
- Überschneidungen, Verkürzungen
- Licht – Schatten – Verläufe (verdichtende Schraffur bzw. Weißhöhung zum Abdunkeln und Aufhellen von Oberflächen)
- Erscheinungsfarbe; Farbtonabstufung Variieren der Bildmittel unter Verwendung verschiedener Techniken.
Zur Wahl: Zeichnen mit Bleistift, Kreide, Tusche und Feder; ggf. auch Malen, Drucken, Mischtechniken
Betrachten, Vergleichen, Beschreiben:
Das sichtbar Gegebene und seine Erscheinungsmerkmale, z. B.
- Größe und Form
- Stofflichkeit, Farbigkeit
Das Dargestellte in eigenen Bildern und auf vergleichbaren Kunstwerken
- Merkmale sachgetreuer Wiedergabe
- Art, Verwendung und Wirkung der Darstellungsmittel
- Vergleich der Bildwirkungen bei Variation der bildnerischen Techniken

Praxisbeispiele





Kunstbetrachtung
8.3 Künstlergruppen und Einzelgänger: Wege in die Moderne

Lernziele
Das an den Sehgewohnheiten orientierte Darstellen wurde von Künstlern im 19. Jahrhundert seit der Erfindung der Fotografie zunehmend in Frage gestellt und durch neue bildnerische Ausdrucksmöglichkeiten abgelöst. Suchen die Realisten und Impressionisten in ihren Werken dem Seheindruck noch möglichst nahe zu kommen, so schlagen die Künstler der Folgezeit andere Wege ein, die in der Moderne schließlich zum autonomen Bild führen. An exemplarischen Bildwerken, die auf sehr unterschiedlichen Wegen den Aufbruch in die Moderne dokumentieren, sollen die Schüler zum bewussten Betrachten und zum reflektierten Umgang mit neuen Sehweisen und Darstellungsabsichten in der bildenden Kunst geführt werden. Sie sollen dabei auch Grundlagen erwerben für das Verständnis der weiteren Entwicklung der Kunstströmungen im 20. Jahrhundert, wie sie von Künstlergruppen und Wegbereitern der klassischen Moderne angestrebt wurden. In der Gestaltung eines „biographischen Blattes“ setzen sich die Schüler mit dem Werk eines Künstlers ihrer Wahl gedanklich und bildnerisch auseinander.

Lerninhalte
Gestalten:
Jeder Schüler fertigt ein „biographisches Blatt“ zu einem Künstler seiner Wahl.
Das biographische Blatt soll enthalten:
- die Abbildung eines Werks
- eine eigene Zeichnung zum Werk
- eine kurze Bildbeschreibung
- biographische Daten über den Künstler
Betrachten:
Künstler und Werkbeispiele:
Wegbereiter im 19. Jh., z. B.:
- Realisten und Impressionisten
- van Gogh und Gauguin
Einzelgänger und Künstlergruppen im 20. Jh., z. B.:
- Picasso und der Kubismus
- Kandinsky und Klee
- deutsche Expressionisten („Die Brücke“, „Der Blaue Reiter“)

Praxisbeispiele




Gestaltete Umwelt
8.4 Modelle entwickeln und einrichten: Mein Traumzimmer

Lernziele
Jugendliche wollen den eigenen Bereich zu Hause neu gestalten und entwickeln dazu oft recht extravagante Vorstellungen. Ihren vielen Wünschen stehen oft räumliche und finanzielle Einschränkungen gegenüber, die sie auch in ihre Überlegungen einbeziehen sollen. An einem Modell, das sie nach dem Grundrissplan ihres Zimmers fertigen, prüfen die Schüler, welche ihrer Vorstellungen sich verwirklichen lassen, und lernen, ihre Wünsche und die tatsächlichen Möglichkeiten einer Veränderung realistisch aufeinander zu beziehen. Angeregt durch Einrichtungskataloge sollen sie versuchen, dem Raum eine persönliche Note zu geben.

Lerninhalte
Gestalten:
- Erarbeiten eines Grundrissplans im Maßstab 1:10 ’ GtB 8.1
- Darstellen eines selbst gewählten Bereichs als farbige Raumkulisse
- Fertigen und Einrichten eines Modells aus Karton
Betrachten:
- Abbildungen von Möbeln und Einrichtungsgegenständen verschiedener Stilrichtungen
- Vergleichen und Bewerten der Arbeitsergebnisse

Praxisbeispiele




Visuelle Medien
8.5 Nachrichten aus der Klasse: Was uns interessiert und bewegt

Lernziele
Tagtäglich sind die Schüler mit Zeitungen und Zeitschriften konfrontiert, ohne sich groß darüber Gedanken zu machen, wie sehr der Inhalt einer Mitteilung von seinem äußeren Erscheinungsbild mitbestimmt sein kann. In einem eigenen Zeitungsprojekt sollen die Schüler versuchen, selbst verfasste Mitteilungen zu eigenen Interessensgebieten (z. B. Idole und Stars, Hobbys, Sport und Freizeit, Reisen, Freundschaften) oder zu allgemeinen Anliegen (z. B. Dritte Welt, Behinderte, Umweltschutz) zu veröffentlichen. Für die visuelle Aufbereitung ihrer Mitteilungen in Schrift und Bild setzen sich die Schüler mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Typographie und des Layouts praktisch auseinander, nach Möglichkeit auch unter Einbeziehung elektronischer Verfahren der Text- und Bildbearbeitung (DTP). ’ KR 8.1.1, 8.2.3, EvR 8.2.1, D 8.2.5, Inf 8

Lerninhalte
Zur Wahl: Klassenzeitung, Wandzeitung oder Infosäule.
Empfohlen wird die Verwirklichung in einem fächerübergreifenden Arbeitsvorhaben.
Gestalten:
Experimentieren mit Typographie
- Schrifttypen und deren Anmutungscharakter
- Reihung und Zeilenabstand, Textgliederung
- Seitenraster und Satzspiegel
Herstellen und Aufbereiten von Bildern zur Veranschaulichung (Zeichnung, Foto, Fotomontage, Grafik, Computergrafik)
Gesamtgestaltung im Layout
- Seitenraster und Satzspiegel
- Überschriften, Schlagzeilen, Bildplatzierung
Betrachten:
Beispiele aus den Printmedien
(Zeitung, Zeitschrift, Prospekt, Buch)
Leitfragen:
- Wie ist die Seite aufgebaut und optisch gegliedert?
- Entsprechen sich Inhalt und Darstellungsform?
- Beeinflusst die Aufmachung den Inhalt der Mitteilungen (z. B. verstärkend – abschwächend, klärend – irreführend)?

Praxisbeispiele




Darstellendes Spiel
8.6 Vor und hinter der Videokamera: Szenen wie im Film

Lernziele
Filmarbeit ist Teamarbeit, bei der die Schüler mit unterschiedlichen Aufgaben betraut sind, die zu einem gemeinsamen Ergebnis führen sollen. Ob sie nun dabei am inhaltlichen Entwurf der Szenen arbeiten, als Schauspieler vor der Kamera agieren, für die Dekoration und Beleuchtung zuständig sind, die Kamera führen oder an der technischen Fertigstellung des Films mitwirken – im gesamten Ablauf muss sich jeder Mitwirkende auf die anderen verlassen können. Die Möglichkeit, den Darstellern mit entsprechender Kameraführung ganz nahe zu kommen, verstärkt beim Betrachter die Wirkung und Aussage meist gezielter als beim personalen Spiel auf offener Bühne. Wechselnde Aufnahmestandorte, Einstellungsgrößen und Einstellungsperspektiven verlangen vom Spieler, sich immer neu auf die Kamera auszurichten. Das Spiel gliedert sich in einzelne Aufnahmesequenzen, die für die Darsteller eine bewusste Identifikation mit ihrer Rolle verlangen, weil Haltung, Stimmung und Ausdruck über die Einstellungs- und Schnittfolgen hinweg durchgehalten werden müssen.

Lerninhalte
Themen zur Anregung, ggf. mit inhaltlichen Beiträgen auch aus anderen Fächern:
„Fernsehnachrichten aus der Schule“, „Interview“, „Streitgespräch“, „Verhör“, „Der Star und seine Fans“,
„Produktwerbung / Musikclips“ ’ Mu 8.1.2,
„Unerwartete Begegnung“, „Unverhofftes Wiedersehen“, „Wettbewerb der Zauberer“.
Die Zusammenarbeit mit dem Deutschlehrer wird empfohlen. ’ D 8.1.3
Gestalten:
Entwurf kurzer Spielhandlungen („Drehbuch“) für eine Filmsequenz;
personales Spiel vor der Videokamera, in kurzen Einstellungen und Szenen
- Mimik, Gestik, Bewegung, Sprache
- Aktionen und Reaktionen mit Spielpartnern Arbeiten hinter der Kamera
- Kameraposition, Blickwinkel, Ausschnitt, Schwenk, Fahrt, Zoom, Gestalten einer Filmsequenz
- Licht und Ton, Effekte, Maske, Kostüm
- Filmbearbeitung: Schnitt, Montage
Betrachten:
Beispiele professioneller Film- und TV-Arbeit unter Beachtung der Urheberrechte (z. B. aus dem Verleih der Bildstellen, Medienzentralen und des Schulfernsehens), selbst gedrehte Urlaubsvideos und die Ergebnisse der Filmarbeit in der Klasse
Aspekte, z. B.:
- Klarheit und Verständlichkeit
- Verhalten der Akteure
- Szenenbild und Ausleuchtung
- Kameraführung
- Wirkung auf den Betrachter
- das Ergebnis im Verhältnis zum technischen und zeitlichen Aufwand

Praxisbeispiele






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