Ideen für das Fach Kunsterziehung
in Anlehnung an den bayerischen Hauptschullehrplan

Kunst 10

Bildnerische Praxis
10.1 Alternativen entwickeln: Das stell' ich mir ganz anders vor

Lernziele
Damit die Schüler ihren Lebensraum als gestaltet und in vielem auch künftig als gestaltbar begreifen, wird ihre Phantasie auf die Alltagswirklichkeit gelenkt. Zu einem konkreten Beispiel aus den Bereichen Mensch, Natur oder Technik sollen sie Änderungsvorschläge entwickeln und als Variation, Alternative oder Neuschöpfung bildhaft sichtbar machen. Neue Ideen entstehen, wenn die Schüler das Gegebene in seiner Gestalt verändern oder anders als vorgesehen verwenden. Dabei sollen die Schüler Neugier, Offenheit und Beweglichkeit entfalten und erfahren, dass Form und Funktion in Wechselwirkung zueinander stehen. Beim gemeinsamen Betrachten der Ergebnisse sollen die Schüler lernen, ihre eigenen Standpunkte darzulegen und zu verteidigen, aber auch die Meinungen anderer zu respektieren. ’ KR 10.1.2, EvR 10.2, Eth 10.2, G/Sk/Ek 10.3

Lerninhalte
Themenbeispiele: bauliche Veränderungen, individuelles Mobiliar, neue Geräte und Fortbewegungsmittel, Modekreationen
Gestalten:
- Dokumentieren des Gegebenen (Foto, Zeichnung)
- Ergänzen, Ersetzen, Um- und Neugestalten, z. B. Form, Farbe, Material, Oberfläche, Verwendung, Umgebung
- Veranschaulichen als Zeichnung, Malerei, Fotomontage oder im Modell
Betrachten:
- Besichtigen und Erkunden vor Ort
- Vergleich mit ähnlichen Möglichkeiten, Erörtern von Alternativen
- Präsentieren und Erläutern der eigenen Ergebnisse
- Werten fremder Ergebnisse, Respektieren anderer Urteile und Meinungen

Praxisbeispiele




Bildnerische Praxis
10.2 Darstellen persönlicher Auffassungen: Die Welt in meinen Augen

Lernziele
Die Schüler setzen sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit einem selbst gewählten oder vereinbarten Thema, das auch Fragen aus anderen Fächern aufgreifen kann, in bildnerischen Entwürfen auseinander. Bei freier Wahl angemessener Bildmittel und Techniken sollen sie eine Komposition gestalten, in der sie Aspekte des Themas, die sie persönlich berühren, zur Darstellung bringen. In arbeitsbegleitenden Bildbetrachtungen gewinnen sie Einblick in Bildlösungen, die mit ihrem eigenen Anliegen in Beziehung stehen. Beim gemeinsamen Planen und beim Durchführen des Arbeitsvorhabens sollen die Schüler wechselseitige Hilfsbereitschaft entwickeln und durch konstruktive Kritik den Mitschülern weiterführende Anregungen geben. ’ KR 10.1.2, 10.5.1, EvR 10.2.1, Eth 10.4.2

Lerninhalte
Inhaltliche Anregungen, z. B.: was mich ärgert, ängstigt, begeistert, Arbeitswelt, Mensch und Tier, Alte und Behinderte,
Krieg und Frieden, Medienwelt, Europa Gestaltungsmittel zur Wahl: Zeichnung, Malerei, Plastik, Collage,
Assemblage, kommentierte Fotosequenz, Videofilm, Computer
Gestalten:
interpretierende Darstellungen oder persönliche Bildbotschaften ggf. auch unter Verwendung von Symbolen und Metaphern
- Sammeln von Bildideen zum Thema
- Skizzieren erster Einfälle
- Experimentieren mit unterschiedlichen Bildmitteln und Darstellungsformen
- Entwurfsarbeit
- Ausführen der Darstellung in der gewählten Gestaltungstechnik
Betrachten:
’ Kunstwerke mit „Bekenntnischarakter“ oder als „Propagandakunst“, z. B.
- Krieg (Picasso: „Guernica“)
- Arbeitswelt (Menzel: „Eisenwalzwerk“)
- Arm und Reich (Dix, Kollwitz)
- zeitpolitische Themen in der Karikatur Vorstellen und gemeinsames Beurteilen der Ergebnisse nach inhaltlicher Verständlichkeit, Bildwirksamkeit, Angemessenheit verwendeter Bildmittel, technischer Ausführung

Praxisbeispiele




Kunstbetrachtung
10.3 Kunst in Gefahr: Diebe, Fälscher und Zerstörer

Lernziele
Kunstwerke sind kostbar. Sie geben uns Einblick in die Vielfalt des Menschseins von den Anfängen bis heute. In privatem Besitz Einzelner oder als öffentliches Eigentum eines Staates, gehört doch ihr kultureller Wert der ganzen Menschheit. Ihr Kaufwert weckt Begehren und ihre Dinglichkeit ist vergänglich und gefährdet. An einigen Beispielen sollen die Schüler erfahren, wie durch Raub und Fälschung von Kunstwerken sich Menschen zu bereichern suchen, mutwillig, fahrlässig oder durch Achtlosigkeit Kunstwerke schädigen oder vernichten, aber auch, wie Schadstoffe in der Umwelt ihren Verfall beschleunigen. Die Schüler sollen ferner Einblick in Methoden und Maßnahmen gewinnen, die zum Schutz und Erhalt der Kunstwerke notwendig sind und überlegen, was sie selbst zum Erhalt des kulturellen Erbes beitragen können.

Lerninhalte
Gestalten:
Möglichkeiten der praktischen Weiterführung und Vertiefung, z. B.:
„Fälschen“ oder „Restaurieren“
- Nachahmen einer gegebenen oder selbst gewählten Bildvorlage bzw.
- Ergänzen einer nur in Teilen gegebenen Bildvorlage
Längerfristiges Arbeitsprojekt:
„Wir helfen unser Kirchengut zu schützen“
- gemeinsamer Besuch einer nahen Kirche
- Führung durch die Kirche, möglichst unter Mitwirkung der Kirchenleitung
- Bestandsaufnahme der kirchlichen Kunstgegenstände durch arbeitsteiliges Erstellen eines Werkkatalogs (Aktenordner)
- Dokumentieren der Gegenstände auf Einzelblättern (Foto, Standort, Beschreibung, Maße, Material, Datierung, Erhaltungszustand)
- Erörtern von Sicherungsmethoden, ggf. im Gespräch mit einen Vertreter der örtlichen Polizeibehörde
Betrachten:
Ein Beispiel aus einem der drei folgenden Bereiche
a) Diebstahl
- in Museen (z. B. Raub der „Mona Lisa“)
- Raubgrabungen
- Kirchenraub (regionale Beispiele)
- Kriegsbeute: (z. B. im 2. Weltkrieg)
b) Fälschung
- Unterscheidung: Nachahmung, Kopie, Fälschung
- berüchtigte Fälscher, z. B. Malskat (gotische Fresken, Toulouse-Lautrec, Chagall); Van Megeren (Vermeer, Hals); de Hory (Picasso, Dufy)
- Fälschertricks und ihre Entlarvung
c) Zerstörung
- Attentate, z. B. auf Rubens' „Höllensturz“ (Säure), Dürers „Selbstportrait“ (Messerstiche), Michelangelos „Pietà“ (Hammerschläge)
- Bilderstürmer: (z. B. Enthauptung der Königsfiguren von Notre Dame in der Französischen Revolution; Beschädigungen aktueller Kunst im öffentlichen Raum)
- Korrosion durch „Umweltgifte“ (z. B. Sandsteinund Bronzeplastiken, alte Glasfenster)
Gemeinsames Gespräch über aktuelle Gefährdungen von Kunstwerken durch Ignoranz, Intoleranz und Vorurteil, über die Mitverantwortung des Einzelnen und über Aufgaben der Denkmalpflege

Praxisbeispiele




Gestaltete Umwelt
10.4 Einblick in praktische Gestaltungsfragen: Bauen, Einrichten, Wohnen

Lernziele
An einem Beispiel aus dem Bereich der Architektur, Innenarchitektur oder des Design setzen sich die Schüler mit Möglichkeiten der Wohngestaltung auseinander. Dabei sollen sie lernen, Raumfolgen und Räume, Raumausstattungen, Möbel oder Geräte im Hinblick auf die Bedürfnisse der Nutzer nach ihrer Zweckmäßigkeit und ästhetischen Qualität selbstständig zu erkunden und zu bewerten, damit sie in der Lage sind, bei anstehenden Veränderungen in ihrer eigenen Wohnsituation ihre Entscheidungen überlegt treffen zu können.

LerninhalteArbeitsbereiche zur Wahl: Wohnungsbau, Raumgestaltung, Möbel und Gerät
Gestalten:
Dokumentieren und Kommentieren der Beispiele
z. B. im Arbeitsheft, als Wandzeitung, auf Schautafeln oder als Film-Dokumentation; Arbeitsmöglichkeiten zur Wahl:
a) Wohnungsbau
Raumorganisation von Wohnungen:
- Funktionsbereiche (z. B. Kochen, Vorratshaltung, Essen, Schlafen, Spielen, Geselligkeit, Körperpflege)
- Raumeigenschaften (z.B. Lage, Größe, Proportion, Licht, Lüftung, Schall- und Wärmedämmung)
- Raumverbindungen, Verkehrswege
a) Wohnungsbau
Entwerfen einer Wohnung im Grundriss nach vorher definierten Bedürfnissen (z. B. Vierzimmerwohnung für eine Familie mit 2 Kindern von 4 und 6 Jahren)
b) Raumgestaltung
- Boden, Decke, Wand, Fenster und Türen
- Wand- und Bodenbekleidung
- Material, Farbgebung
- Licht und Beleuchtung, Heizung
- Einrichtung
b) Raumgestaltung
gezieltes Verändern von Raumwirkungen durch Farbgebung und Ausstattung, z. B. um den Raum größer, niedriger, strenger, heller erscheinen zu lassen
c) Möbel und Gerät, z. B.
- Tisch und Stuhl; Couch und Bett
- Regal und Schrank
- Geschirr und Besteck
- Beleuchtungskörper
c) Möbel und Gerät
Einrichten eines im Grundriss gegebenen Innenraumes für einen bestimmten Zweck (z. B. Arbeitszimmer, Küche, Wohnzimmer, Jugendzimmer)
Betrachten:
Erkunden von Originalbeispielen und Abbildungen aus Büchern, Zeitschriften und den Medien; Vergleichen und Bewerten, z. B. nach Gestalt, Funktion und Nutzung

Praxisbeispiele




Visuelle Medien
10.5 Gestalten mit Medienkombinationen: Für Aug' und Ohr und alle Sinne

Lernziele
Zu einem Thema eigener Wahl sammeln die Schüler Informationen und bereiten sie unter Verwendung unterschiedlicher Darstellungsmittel für eine Zielgruppe auf. Zum Einsatz kommen dazu nicht nur visuelle Medien wie geschriebene Texte, Einzelbilder, Bilderfolgen oder bewegte Bildsequenzen, sondern auch akustische Medien wie Sprache und Musik ’ D 10.2.4, 10.2.5, Inf 10.2.3, Mu 10.3. Durch die gezielte Verknüpfung unterschiedlicher technischer Möglichkeiten lernen die Schüler, Informationen medienwirksam zu gestalten und zu präsentieren.

Lerninhalte
Gestalten:
Kombination traditioneller Medien oder elektronische Multimedia-Produktion; Aufbereiten von Informationen zum gewählten Thema oder von Ergebnissen aus anderen Themenkreisen, z. B.
- „Unsere Alternativen“ ’ 10.1
- „Das meinen wir dazu“ ’ 10.2
- „Ein Gang durch unsere Kirche“ ’ 10.3
- Entwürfe und Modelle zur Wohngestaltung ’ 10.4
- Rückschau auf die Schulzeit ’ 10.6
Betrachten:
Beispiele zur Anregung für das eigene Arbeitsvorhaben wie
- Meisterfotos, Fotosequenzen in Bild und Text, Kurzfilme,
- Musikclips, Multimedia-Produktionen und Internetseiten
- Vergleich unterschiedlicher Medienangebote zum selben Thema
Publikumsbefragung zur eigenen Präsentation, Auswertung in einer gemeinsamen Diskussion

Praxisbeispiele




Spiel/Aktion
10.6 Lustige Rückschau auf die Schulzeit: Aufgespießt

Lernziele
Am Ende ihrer Schulzeit gestalten die Schüler eine kleine Aufführung, in der sie heiter und besinnlich an Begebenheiten aus ihrem Schülerdasein erinnern. Dazu gehört aber nicht nur die Bereitschaft und Fähigkeit, andere sanft auf den Arm zu nehmen, sondern auch der Mut, sich selbst den Spiegel vorzuhalten. In einer lockeren Revue werden eigene Gedichte vorgetragen, Schulstunden mit Handpuppen parodistisch nachgespielt, Schlager mit einem neuen Text gesungen, Schüler-Episoden als Moritat dargeboten oder in einem Dia-Vortrag Fotos aus dem Schulleben witzig kommentiert. Gestalterische Mittel wie Farbe und Form, Kostüm und Maske, Mimik und Gestik, Musik und Tanz sollen die Schüler dazu wirkungsvoll einsetzen. In Verbindung mit Themenkreis 10.5 kann die Revue als längerfristiges Arbeitsvorhaben realisiert werden. Die Zusammenarbeit mit anderen Fächern wie Deutsch und Musik wird empfohlen. ’ D 10.1.3, Mu 10.3

Lerninhalte
Gestalten:
- Planen der Darbietungen als Einzelarbeit oder arbeitsteilige Gruppenarbeit (Brainstorming, Arbeitsverteilung)
- Ausarbeiten der Beiträge unter Beratung der Lehrer
- Proben der Beiträge als bühnenwirksame Darstellung
- Gruppieren der Beiträge zu einer abwechslungsreichen Szenenfolge (mit Zwischenmusiken und Pausen)
- Gestalten des Spielortes
- Aufführen, z. B. im Rahmen der Abschlussfeier
Betrachten:
- zur Anregung: Beispiele aus der Kleinkunst (literarische, musikalische und szenische Formen des Kabaretts)
- Erörtern von Möglichkeiten der indirekten Darstellung (z. B. Schule = Bahnhof, Schulleiter = Bahnhofsvorstand, Lehrer = Kontrolleure, Schüler = Passagiere)
- Bewerten von Aussage und Wirkung des Spiels der Mitschüler und der eingesetzten Darstellungsmittel, Einbringen von Verbesserungsvorschlägen

Praxisbeispiele






Zurück zum Menü